Cloppenburg. Die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst haben sich in ihrem letzten Spiel des Jahres 2018 in Galaform präsentiert: Der Aufsteiger feierte beim Tabellenvierten TV Cloppenburg einen 28:19 (16:12)-Sieg.

Seine Mannschaft hatte mehr erreicht, als er gedacht hatte. Viel mehr. „Das muss ich erstmal sacken lassen“, gab Jörg Rademacher, Trainer der Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst, dann auch zu, als er am späten Samstagabend nach seiner Meinung über das gerade zu Ende gegangene Auswärtsspiel beim TV Cloppenburg gefragt wurde. „Wir wollten den TVC, der für mich eine der Top-Mannschaften der Liga ist, eigentlich so lange wie möglich ärgern“, erklärte Rademacher, mit welcher Idee die HSG in die Begegnung gegangen war. Die Delmenhorster übererfüllten diese Vorgabe. Sie hatten die Gastgeber vor etwa 500 Zuschauern nicht nur geärgert, sie hatten den Tabellenvierten zur Verzweiflung getrieben. Ergebnis der Galavorstellung des geschlossen starken HSG-Kollektivs war ein auch in dieser Höhe völlig verdienter 28:19 (16:12)-Sieg. „Es war schon überragend, wie wir Cloppenburg dominiert haben“, schwärmte der HSG-Coach: „Das war Handball, wie ich ihn mir vorstelle.“

Sein Cloppenburger Amtskollege Barna-Zsolt Akacsos beschrieb den Auftritt der Delmenhorster prägnant – und absolut zutreffend: „Super eingestellt, super Einstellung, super Spiel.“ Der 51-Jährige nahm die Niederlage auf seine Kappe. „Das Spiel war für mich das Schlimmste, was mir als Trainer passieren kann“, sagte er. „Ich habe die Mannschaft falsch eingestellt, ich mache den Jungs keinen Vorwurf.“ Was genau falsch gelaufen war, wolle er in Ruhe in den nächsten Tagen analysieren. Vielleicht, überlegte er noch, habe er sein Team, für das er Platz vier bis sechs zum Saisonziel erklärt hatte, „zu sehr unter Druck gesetzt“.

Delmenhorster Abwehr überzeugt
Der starke HSG-Auftritt hatte seinen Ursprung in einer überragenden 6:0-Abwehr. „Jörg bereitet sich immer wahnsinnig vor und stellt uns sehr, sehr gut ein“, erklärte Jörn Janßen, der in dem Bollwerk auf der halblinken Position agierte, warum die von der ersten bis zur letzten Minute so gut funktionierte. Hinzu käme, meinte Janßen, der im Angriff fünf Treffer beisteuerte, dass dem Team der Aufwärtstrend der vorangegangenen Wochen (fünf starke Spiele mit 8:2 Punkten) sehr gutgetan habe. „Die ganze Motivation spiegelte sich in unserer Abwehrarbeit wider“, sagte Janßen. In der Tat, dirigiert von Tim Coors im Mittelblock arbeitete jeder HSG-Spieler für jeden. Geschickt im Zweikampf, schnell auf den Beinen und mit viel Auge störten die Delmenhorster das Angriffsspiel des TVC so effektiv, dass die Cloppenburger phasenweise sogar hilflos wirkten. Sie mussten aus schlechten Positionen abschließen, wurden zu einigen Fehlpässen gezwungen. „Und dann steht hinter uns ja noch ein geiler Torwart, der jeden Ball wegnimmt“, jubelte Janßen. Sönke Schröder wehrte 15 Würfe ab. Er verhinderte in den kurzen Phasen, in denen die HSG-Offensive etwas schwächer wurde, dass die Gastgeber daraus Kapital schlagen konnten.

Delmenhorst drückt aufs Gaspeda
Die HSG-Abwehr beeindruckte die Cloppenburger vom Anpfiff an. Aus jedem abgewehrten Angriff machten die gut kombinierenden Delmenhorster, die kräftig aufs Gaspedal drückten, gegen eine offensive 3-2-1-Abwehr der Gastgeber zunächst einen eigenen Treffer. Der ganz starke Coors, mit zehn Toren erfolgreichster Werfer der Partie, traf in der 14. Minute zum 10:3. Keine 120 Sekunden später sorgte Philipp Freese per Konter für das 12:4. TVC-Trainer Akacsos reagierte. Er stellte in der Defensive auf die 6:0-Aufstellung um. Das schien sich auszuzahlen, auch weil Cloppenburgs Torwart Hendrik Legler, klar stärkster Akteur seines Teams, ins Spiel fand. Zudem ließ bei den Delmenhorstern die Konzentration im Abschluss etwas nach. Zur Pause war bei den TVC-Fans die Hoffnung auf einen Erfolg zurückgekehrt, ihr Team lag „nur noch“ mit 12:16 zurück.

Cloppenburg wirft fast 13 Minuten lang kein Tor
Die Delmenhorster Abwehr um Coors und Michael Schröder im Mittelblock und Sönke Schröder im Kasten zerstörte jede Zuversicht der Cloppenburger allerdings innerhalb von 12 Minuten und 38 Sekunden. So lange dauerte es, bis Tobias Freese das 13. Tor für die Gastgeber erzielte. Die HSG hatte in dieser Zeit fünfmal getroffen. Spätestens das 23:13 (48.) vom guten Torben Sudau, der gegen die inzwischen ganz offensive 4:2-Deckung der Gastgeber die Rückraummitte-Position von Spielmacher Frederic Oetken übernommen hatte, überzeugte auch den letzten Pessimisten unter den HSG-Fans auf der Tribüne davon, dass sich ihre Mannschaft überraschende zwei Punkte als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk machen würde.
Interessante Randnotizen: Die guten Schiedsichter Dennis Bendtsen und Jens Peper vom MTV Wisch mussten keinem Spieler eine Zeitstrafe geben, sie verteilten nur vier gelbe Karten. Den einzigen Siebenmeter bekamen die Cloppenburger zugesprochen. Chris Danielzik verwandelte ihn in der 51. Minute zum 15:24.
„Hut ab“, sagte Rademacher zur Defensivleistung seiner Mannschaft. Man merke, „dass sie sich weiterentwickelt hat“. Trotz allen Lobs vergaß er nicht, den Auftritt auch noch einzuordnen. „Wir vergessen nicht, wo wir herkommen. Wir sind Aufsteiger, wir hatten einen schweren Start“, erklärte der HSG-Trainer. „Wir sammeln immer noch Punkte gegen den Abstieg.“ Seine Mannschaft habe etwas geschafft, was in dieser Saison nicht mehr vielen Teams in Cloppenburg gelingen werde. Darauf sei er stolz, werde das aber nicht überbewerten. „Wir nehmen das Ergebnis jetzt gerne mit, das ist ja auch aller Ehren wert.“ Es gelte aber, weiter hart zu arbeiten, um in der Rückrunde, die für die HSG am 26. Januar 2019 bei der SG Bremen/Hastedt beginnt, die gute Ausgangsposition im Rennen um den Ligaverbleib zu nutzen.

TV Cloppenburg: Legler, Buschmann; Koellner 1, Harms 5, Witt 2, Danielzik 1/1, Freese 1, Tapken, Schulat 2, Hansen, Gülzow 2, Saalmann 1, de Raad 2, Lugosi 1.
HSG Delmenhorst: S. Schröder, Prvonozac, Lettmann; Meißner, Goyert 2, Sudau 3, Coors 10, Oetken, M. Schröder 3, Janßen 5, Freese 5, Till.
Schiedsrichter: Bendtsen, Peper (MTV Wisch).
Siebenmeter: TVC 1/1 – HSG 0.
Zeitstrafen: keine.
Zuschauer: ca. 500.
Spielfilm: 2:3 (5.), 2:8 (10.), 4:12 (15.), 11:14 (27.), 12:16 – 13:21 (43.), 16:24 (52.), 19:28.

Quelle: dk-online.de (Lars Pingel)

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