Erleichterung nach dem Ausgleich in letzter Sekunde: Lasse Till wird von Michael Schröder und Fino Oetken (von links) beglückwünscht. Foto: Daniel Niebuhr

Bremen. Die HSG Delmenhorst rettet bei der SG Bremen/Hastedt ein 30:30 in letzter Sekunde. Die Oberliga-Handballer verspielen jedoch eine hohe Führung und bringen ihren Trainer auf die Palme. Jörg Rademacher macht seinem Ärger mit klaren Worten Luft.

Die SG Bremen/Hastedt und die HSG Delmenhorst haben in dieser Saison ja schon einiges gemeinsam durchgemacht, das irrwitzige Delmenhorster 32:31 am ersten Spieltag war denkwürdig und für beide Handball-Oberligisten im Nachhinein irgendwie richtungsweisend. Nach dem zweiten und kaum weniger dramatischen Duell am Samstagabend schlossen die Spieler nun Frieden und beschlossen, sich einfach mal gemeinsam feiern zu lassen. So standen sie verschwitzt in der Bremer Halle am Jakobsberg zusammen vor den 150 Zuschauern auf der urigen Tribüne, holten sich ihren Beifall ab und applaudierten artig zurück – es hatte etwas von einer Vorbeugung vor dem gefallenen Vorhang.

„Selten dämliche Fehler“
Wer den Abend mit diesem Bild beendete, war wohl sicher, dass alle mit dem Endergebnis schon zufrieden waren; mindestens ein Delmenhorster wollte das 30:30 (16:13) beim Abstiegskandidaten vom Osterdeich aber so nicht stehen lassen. „Das ist ein klarer Punktverlust. Dieses Resultat war so nicht eingeplant“, schimpfte HSG-Trainer Jörg Rademacher und gab eine Vorschau auf das, was seine Spieler in der Nachbetrachtung erwartet. „Wir bereiten uns wochenlang vor und machen dann selten dämliche Fehler. Ich kann von meinen Jungs doch erwarten, dass sie einen einfachen Pass über drei Meter spielen können“, echauffierte er sich: „Aber ich habe es ja vorher gesagt, wir sind noch nicht weit.

Es war kurios, dass die Delmenhorster eigentlich Grund zur Erleichterung hätten haben müssen. Sie hatten mit dem letzten Wurf überhaupt erst den einen Punkt gerettet. Rückraum-Schütze Tim Coors war vier Sekunden vor Schluss beim Stand von 29:30 zum Wurf hochgestiegen, hatte dann aber doch den starken Lasse Till auf Linksaußen bedient, der mit der Schlusssirene eiskalt vollstreckte. Dennoch fühlten sich die Hastedter als moralischer Sieger. „Wir sind happy, jeder Punkt zählt im Abstiegskampf“, sagte der mal wieder glänzende Spielertrainer Marten Franke

Hektik beim Anwurf
Dass dieses Remis für die von einer Busladung Fans unterstützte HSG nur ein Trostpreis war, lag auch am Spielverlauf, der verrückt gewesen war. Nach neun Minuten führten die Gäste bereits mit 7:0 und schienen dort weiterzumachen, wo vor der Winterpause mit fünf Siegen aus sechs Partien aufgehört hatten. Bremen/Hastedt erwachte aber irgendwann und hatte neben dem wurfgewaltigen und spielwitzigen Franke immerhin bedingungslosen Einsatz zu bieten. Zweimal ließen die Delmenhorster die Gastgeber bis auf ein Tor heran (13:12, 14:13), aber zur Halbzeit lagen sie wieder mit 16:13 vorn.

Doch das Spiel wurde nach dem Wechsel immer unruhiger. Bremen/Hastedt nahm regelmäßig den Torhüter für einen siebten Feldspieler vom Parkett, Rademacher wies seine Spieler an, das über einen schnellen Anwurf auszunutzen. Doch stattdessen gaben sie in der Hektik reihenweise Bälle weg. „Das darf nicht sein, nur weil wir mal etwas flotter spielen wollen“, fand Rademacher.

Thies Luca Hermann gelang mit dem 24:24 in der 49. Minute der erste Ausgleich, sechs Minuten später lag Delmenhorst durch Frankes Treffer 27:28 hinten, danach gelang auch bestenfalls noch der Ausgleich, der letzte durch Till mit Ablauf der Zeit. „Das ist dann wieder gut gemacht. Dass wir nicht mit komplett leeren Händen hier rausgehen, ist unser Glück“, meinte Rademacher, der „ein Spiel zum Lernen“ gesehen hatte: „Einige wollen ja nach oben schauen. Das ist gut und schön, aber dann muss auch die Leistung passen.“

Quelle: dk-online.de (Daniel Niebuhr)

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