Delmenhorst. Die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst haben ein spannendes Nachbarschaftsduell gewonnen: Sie erkämpften sich einen 27:25-Heimsieg über die TSG Hatten-Sandkrug. 

60 Spielminuten mit mehreren Wenden, zwei Mannschaften mit großem Kampfgeist und ein spannendes Finale – ein Oberliga-Nachbarschaftsduell bot 410 Zuschauern in der Stadionhalle beste Freitagabend-Unterhaltung. Die intensive Partie forderte aber nicht nur die Fans auf den Tribünen und, natürlich, die Aktiven auf dem Feld, sondern auch Jörg Rademacher, den Trainer der gastgebenden HSG Delmenhorst, und Hauke Rickels, den Coach der TSG Hatten-Sandkrug. Beide waren pausenlos beschäftigt. Sie lobten, aber tadelten auch, und sie griffen immer wieder durch Wechsel und taktische Umstellungen ins Geschehen ein. Über das bessere Ende freute sich Rademacher. "Die Mannschaft mit dem größeren Willen hat gewonnen. Das waren wir", sagte er über das 27:25 (13:11), das den Delmenhorstern die Pluspunkte 18 und 19 bescherte: "Wir haben immer an uns geglaubt."

Statistik
HSG Delmenhorst - TSG Hatten-Sandkrug 27:25
HSG Delmenhorst: Lettmann, Schörder, Krause; Goyert 1, Sudau 1, Timmermann, Schanthöfer, Schröder 1, Markowski 1, Janßen 8/5, Kohrt, Coors 9, Freese 4, Till 2.
TSG Hatten-Sandkrug: Bruns, Steffens; Kirschen, Schepker 6, Sauer, Schinnerer 3, Menkens 3/1, Larisch 1, Streckhardt, Haake 7/1, Spille 1, Lücken 4, Ghimes, Wolf.
Schiedsrichter: Hustedt, Voigt (Daverden, Hude).
Zeitstrafen: HSG 2 – TSG 3.
Siebenmeter: HSG 5/5 – TSG 3/2.
Zuschauer: 410.
Spielfilm: 0:4 (5.), 2:6 (9.), 6:6 (13.), 10:10 (26.), 13:11 – 15:12 (34.), 22:16 (43.), 23:23 (50.), 23:24 (51.), 25:25 (56.), 27:25.

Schiedsrichter überzeugen
Daran, dass das Spiel trotz des hohen Einsatzes beider Mannschaften absolut fair verlaufen war, hatte die gute Leistung der Schiedsrichter Volkmar Hustedt und Thomas Voigt (TSV Daverden, HSG Hude/Falkenburg) großen Anteil. Sie traten souverän auf,  hielten sich vom An- bis zum Abpfiff in ihren Entscheidungen an eine klare Linie.

HSG Delmenhorst startet schwach
Die Delmenhorster kamen nach dem ersten Ton aus den Pfeifen der Unparteiischen nicht in Schwung. "Mal wieder", stöhnte Rademacher später. Die TSG-Spieler waren dagegen sofort auf Betriebstemperatur. Sie stoppten die ersten, allerdings auch wenig druckvoll vorgetragenen HSG-Angriffe und schalteten dann schnell auf Offensive um. In hohem Tempo erspielte sich der Gast gute Chancen – und nutzte sie. Hatten-Sandkrug führte nach nicht einmal fünf Minuten mit 4:0, in der neunten Minute mit 6:2.

Torben Sudau lenkt Delmenhorster Angriffsspiel
Rademacher und HSG-Torwarttrainer Jens Kanzog reagierten. Mirko Lettmann kam für den bis dahin glücklosen Sönke Schröder zwischen die Pfosten. Das zahlte sich aus. Hinter der immer besser funktionierenden 6:0-Abwehr trug er mit einer lange Zeit sehr guten Leistung dazu bei, dass sich seine Mannschaft zunächst mit einem 4:0-Lauf zum 6:6 (13.) in die Partie katapultierte und sie dann, zumindest scheinbar, in den Griff bekam. Im HSG-Team fehlten einige Aktive krank oder verletzt, darunter Spielmacher Frederic Oetken, der sich, wie sich in den Tagen zuvor herausgestellt hatte, in der Partie beim VfL Fredenbeck (28:30) einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Sein Team habe den Ausfall gut kompensiert, lobte Rademacher, der selbst dazu beitrug, als er Torben Sudau beim Stand von 9:9 (23.) auf die Mitteposition seiner Angriffsreihe beorderte. Sudau lenkte die HSG-Offensive geschickt. Dazu kam, dass sich die Trefferquote der Delmenhorster, deren Kreisläufer Michael Schröder mit Adduktorenproblemen ausschied, deutlich verbesserte. Zur Pause lagen sie mit 13:11 in Führung.

Delmenhorster bauen Vorsprung aus
Nach Wiederbeginn dominierte die HSG. Mit engagierter und geschickter Abwehrarbeit zwang sie ihre Gäste in oft erfolglose Einzelaktionen. Über Konter oder durch konzentriert ausgespielte Positionsangriffe, baute die HSG um den starken rechten Rückraumspieler Tim Coors ihren Vorsprung aus. Freese traf zum 22:16.

TSG Hatten-Sandkrug gibt nicht auf
An der Seitenlinie arbeitete Rickels in dieser Phase mit einigen Auswechselungen daran, sein Team wieder in die Spur zu bringen. Das gelang. Die nie aufsteckenden Sandkruger profitierten erst einmal davon, dass die Delmenhorster Offensive plötzlich den Faden verlor und sich einige unnötige Ballverluste leistete. Die nutzte die TSG. Sie traf innerhalb von nicht einmal 120 Sekunden viermal in Folge. Angetrieben vom ehemaligen HSG-Spieler und -Spielertrainer Andre Haake, mit sieben Treffern erfolgreichster Werfer der Gäste, baute Hatten-Sandkrug den Lauf bis auf 7:1 aus: 24:23 für die TSG (51.).

HSG-Torwart Sönke Schröder hält sein Team in der Spur
Rademacher stellte seine Defensive um, ließ sie in der 5:1-Formation agieren. Als Vorgezogener sollte Ole Goyert vor allem Haake stoppen. Zudem kam Schröder zurück ins Tor. Das brachte die dritte Wende. Coors, der zum neunten Mal traf, und Goyert von Linksaußen brachten Delmenhorst wieder nach vorn (25:24, 55.), Keno Lücken glich für die TSG aus (56.), die dann aber zweimal an Schröder scheiterte, dessen Paraden Fehler im Spielaufbau seiner Vorderleute wettmachten. Jörn Janßen veredelte das 38 Sekunden vor Schluss mit seinem achten Treffer zum 26:25.

Marcian Markowski wirft das letzte Tor des Spiels
Rickels nahm eine Auszeit, schickte sein Team dann ohne Torwart mit sieben Feldspielern zurück aufs Feld, um den Ausgleich zu erzwingen. Rademacher blieb bei seiner 5:1-Abwehr, das überraschte die TSG wohl. Ein Pass von Lücken flog ins Seitenaus, die HSG kam per Tempogegenstoß durch Marcian Markowski in der letzten Sekunde noch zum 27:25. "Wir haben alles versucht. Es hat nicht geklappt", sagte Rickels: "Aber Hut ab vor der Mannschaft dafür, dass sie so zurückgekommen ist." "Das war auch Glück", meinte der letzte Torschütze der Partie über den umjubelten Erfolg. "Das haben wir uns nach der schwachen Phase aber auch erkämpft, vor allem in der Abwehr", erklärte Markowski weiter:
"Und Sönke hält dann zwei, die absolut wichtig waren."

Klassenerhalt der Delmenhorster soll am 6. April perfekt sein
Der nochmalige Torwartwechsel sei "die richtige Entscheidung" gewesen, fand auch Rademacher. Lettmann habe dem Team Stabilität gegeben, doch dann habe es einen neuen Impuls gebraucht. Den lieferte Schröder. "Ich muss der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen", erklärte Rademacher weiter. "Sie hat tolle Moral bewiesen." Die Partie sei, nicht zuletzt angesichts der verletzungsbedingten Ausfälle, wieder ein Schritt nach vorn gewesen, lobte er. Die Weiterentwicklung der Mannschaft sei ja eines der Saisonziele gewesen. "Das erste war und ist allerdings der Klassenerhalt", sagte Rademacher. Der Derbysieg "war ein wichtiger Schritt in diese Richtung". Die nächsten Schritte dorthin, so hofft er, macht seine Mannschaft schon in den fünf Partien bis zum 6. April, an dem die HSG den TSV Bremervörde empfängt. "Vor den letzten drei Spielen müssen wir durch sein", forderte Rademacher. Das Saisonfinale bestreiten die Delmenhorster beim VfL Edewecht (13. April), beim Spitzenreiter OHV Aurich (27. April) und in der Stadionhalle gegen den TV Cloppenburg (4. Mai.). Der HSG-Trainer zeigte sich aber durchaus optimistisch, dass er dann an der Seitenlinie nur noch für die Weiterentwicklung und nicht mehr für den Ligaverbleib arbeiten muss. "Wir sind gut unterwegs", sagte er nach dem Derbysieg nämlich auch noch.

Bildunterschrift: Ließen sich nicht aufhalten: die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst um Ole Goyert (vorn). Sie feierten nach dem Nachbarschaftsduell gegen die TSG Hatten-Sandkrug mit Till Schinnerer einen 27:25-Heimsieg.
Foto: Rolf Tobis
Quelle: dk-onlinde.de (Lars Pingel)

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