Bissendorf. Die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst haben beim Tabellenzweiten TV Bissendorf-Holte mit 30:32 verloren. Jörg Rademacher, Trainer des Aufsteigers, war schwer enttäuscht.

Jörg Rademacher, Trainer der Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst, machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Maßlos“ sei die, schimpfte er gestern am frühen Abend nach dem Spiel seiner Mannschaft beim TV Bissendorf-Holte. Vor etwa 240 Zuschauern hatte sie beim Tabellenzweiten TV Bissendorf-Holte mit 30:32 (14:16) verloren. „Dämlich“, fand Rademacher den Auftritt: „Das war eine schwache Leistung, vor allem bei der Chancenverwertung“, monierte er und folgerte: „Na klar, wir haben beim Tabellenzweiten gespielt, aber für uns war hier viel, viel mehr möglich.“


Statistik
TV Bissendorf-Holte - HSG Delmenhorst 32:30
TV Bissendorf-Holte: Thiemann, Maroldt; Brüggemann 1, Sander 4/2, Mayer 7, Seger, Jenner, Grass 1, Brauner 1, C. Rußwinkel 5/1, Bormann 7, F. Rußwinkel 5, Brüggemann, Kluwe 1.
HSG Delmenhorst: Schröder, Lettmann; Goyert 1, Sudau 3, Timmermann, Coors 9/2, Markowski 1, Janßen 6, Kohrt 2, Freese 5, Till 3.
Schiedsrichter: Bunselmeyer, Roux (Oldenburg, Osnabrück)
Siebenmeter: TVB 4/3 – HSG 3/2.
Zeitstrafen: TVB 4 – HSG 2.
Zuschauer: ca. 240.
Spielfilm: 3:3 (7.), 6:3 (12.), 9:4 (14.), 12:7 (21.), 16:14 – 20:16 (37.), 22:20 (45.), 22:22 (46.), 25:24 (50.), 31:27 (57.), 32:30.

Einen Großteil ihrer Möglichkeiten habe seine Mannschaft vor der Pause verspielt, erklärte der HSG-Trainer. „Wir zeigen immer erst dann, wenn schon fast alles zu spät ist, was wir wirklich können.“ In der Tat brauchte die HSG nicht zum ersten Mal in dieser Saison einige Zeit, bis ihre Offensive in Schwung kam. Gegen eine vom Anpfiff an aufmerksame, bewegliche und zweikampfstarke TVB-Abwehr gelang den Delmenhorstern zunächst wenig, sie leisteten sich zudem einige Ballverluste durch unkonzentrierte Aktionen. „Wir haben viel zu ängstlich gespielt. Es ist fast keiner aufs Tor gegangen“, haderte Rademacher:

„Da muss man sich nicht wundern, wenn man klar zurückliegt.“
Vor allem durch klasse vorgetragene Gegenstöße kamen die Bissendorfer zu den Toren, die ihnen erst einen 9:4-Vorsprung (14. Minute) und dann ein 12:7 (21.) einbrachten. „Diese Nadelstiche wollten wir setzen“, lobte TVB-Trainer Henning Sohl. „Das haben wir wirklich gut gemacht.“

Tim Coors hält HSG Delmenhorst im Spiel
Rademacher hatte in seiner Kritik an der Offensivleistung, die seine Mannschaft in den ersten 30 Minuten bot, Tim Coors ausdrücklich ausgenommen. Der rechte Rückraumspieler warf sechs Tore – am Ende war er mit 9/2 Treffern erfolgreichster Delmenhorster – und riss zudem Lücken für seine Mitspieler. Auch im Mittelblock der Abwehr war er ein Aktivposten seiner Mannschaft. Die bewies, ebenfalls wieder einmal, sehr gute Moral. Das wirkte sich zunächst vor allem in der Defensive aus. Dort hatte die HSG in einer ganz offensiven 4:2-Aufstellung begonnen, war dann aber nach einer Auszeit (19.) in die gewohnte 6:0-Formation übergegangen. In der erkämpfte sie sich die Ballgewinne, die sie nutzte, um bis zur Pause bis auf 14:16 zu verkürzen.

Nach Wiederbeginn kämpften die HSG-Spieler zwar vorbildlich, ihre Trefferquote blieb aber vor allem bei den ganz klaren Chancen schwach. „Unser Torwart hat gerade in Eins-Gegen-Eins-Situationen einige wichtige Bälle gehalten“, lobte Sohl den einen Faktor dafür: Philipp Thiemann. Rademacher bemängelte mangelnde Entschlossenheit und Konzentration. Seine Spieler bissen sich aber trotzdem in die Partie. Sie kämpften in der Abwehr darum, Fehlwürfe zu kompensieren. Das gelang immer wieder. Hinzu kam, dass das Bissendorfer Angriffsspiel nach dem 20:16 durch den guten Kreisläufer Simon Mayer (38.), mit sieben Treffern gemeinsam mit Dennis Bormann bester TVB-Werfer, fehleranfälliger wurde. Die HSG schaffte den Ausgleich: Coors verwandelte einen Siebenmeter zum 22:22 (46.). Auch das zeigte, dass der Kampfgeist des HSG-Teams stimmt. Es hatte sich etwa 70 Sekunden zuvor (21:22) von großem Pech nicht aus der Bahn werfen lassen: Nach einer starken Abwehraktion lenkte ein Bissendorfer den Ball beim Versuch, einen abgefälschten Pass zu fangen, ins Aus. Die Referees Tobias Bunselmeyer und Jacques Roux (Oldenburg/Osnabrück) entschieden dennoch auf Einwurf für den TVB. Das nutzte Jonas Grass. Er warf aus dem linken Rückraum das 22:20. Das entschied die Partie aber nicht. Das sah auch Rademacher so, der sich zu den Schiedsrichtern „nicht groß äußern“ wollte. Dass er unzufrieden war, merkte man ihm an.

Bissendorfer in Schlussphase treffsicherer
In der spannenden Schlussphase fanden die Bissendorfer ihre Durchschlagskraft und Treffsicherheit wieder. Die Delmenhorster ließen dagegen einige Chancen aus. Das bestrafte vor allem Christian Rußwinkel. Der TVB-Spielmacher erzielte vier seiner fünf Tore zwischen der 53. und 57. Minute in Folge, machte aus einem 27:25 ein 31:27. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir verlieren würden. Wir haben so viel Qualität auf der Bank. Trotzdem war es das erwartet schwere Spiel“, sagte Sohl und erklärte seine Sorglosigkeit auch:

„Meine Jungs glauben daran, dass sie 60 Minuten lang ihr Spiel durchziehen können.“
Rademacher störte, dass seine Mannschaft zum zweiten Mal in Folge – nach dem 28:30 beim VfL Fredenbeck – in fremder Halle ihr Potenzial nicht ausgeschöpft hatte. „Mit so vielen Fehlern kannst du nicht gewinnen. Dass wir dann auch noch immer wieder die selben Fehler machen, ärgert mich am meisten.“

Quelle: dk-online.de (Lars Pingel)

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