Delmenhorst. Der Kader der HSG Delmenhorst wird immer stärker – aus gutem Grund. Die Handball-Oberliga wird stark wie selten. 

Als Handball-Funktionär ist Jürgen Janßen zwangsläufig daran gewöhnt, vierdimensional zu denken. Dass der Vorsitzende der HSG Delmenhorst fundierte Kenntnisse über Spieler und Gegner der Gegenwart vorweisen kann, ist in der Szene bekannt – in der Vorsaison ging es bei ihm aber häufig um eine Klasse, die es noch gar nicht gab.

Die für 2020 angekündigte Einführung der Regionalliga sorgte nicht nur für große Träume beim Oberligisten, sondern auch für dazu passende Transferaktivitäten. Der Kader wurde, kurz gesagt, für die Liga der Zukunft tauglich gemacht. 

Dass der Verband auf Druck der Handball-Regionen seine gemeinsame Königsklasse für Niedersachsen und Bremen erst einmal auf Eis legte, sorgte nicht nur in Delmenhorst für Irritationen – Janßen nannte es gewohnt schnörkellos „eine Unverschämtheit“. Da kommt einem die Pressemeldung vom Dienstag fast wie eine Trotzreaktion vor: Die Delmenhorster verkündeten zwei weitere Neuzugänge für die kommende Saison und machen ihren ohnehin schon namhaften Kader noch stärker. Das Motto könnte sein: Dann mischen wir eben die Oberliga auf.
Marko Babic: Von der WM nach Delmenhorst

Der Fluch der guten Tat dabei: Einer der beiden Neu-Delmenhorster wird erst im August zur Mannschaft stoßen – weil er im Juli noch eine Weltmeisterschaft spielen muss. Rückraumspieler Marko Babic reist mit der U19-Nationalmannschaft der USA dafür nach Spanien, ehe er ein Studium an der Bremer Jacobs University beginnt und für die HSG spielt. Babic hat auch die serbische Staatsbürgerschaft und spielte bisher für die Junioren von Roter Stern Belgrad. „Ein ganz anderes Kaliber“, nannte Janßen den 19-Jährigen.
Ein Jahr älter ist Silas Schumacher, der neben den bekannten Keepern Sönke Schröder und Deno Prvonozac der dritter Torwart im Kader ist. Er stand bei der Reserve des Zweitliga-Absteigers Wilhelmshavener HV in der Verbandsliga zwischen den Pfosten und beginnt am 1. August eine Ausbildung in Delmenhorst. „Wir konnten zwei junge, zukunftsorientierte Spieler überzeugen, den Weg nach Delmenhorst zu gehen“, freute sich Janßen.

2018/19 beste Saison seit 18 Jahren
Weil auch Kreisläufer Alexander Schöps von seinem Auslandsaufenthalt zurück ist, hat die HSG inzwischen 16 Spieler im Kader, elf davon bildeten schon in der Vorsaison das Gerüst der Mannschaft, die als Aufsteiger überraschend Fünfter wurde und die beste HSG-Saison seit 18 Jahren spielte. In Sachen Wurfgewalt dürfen die Fans noch mehr erwarten, nachdem mit Mario Reiser bereits der beste Schütze des Verbandsliga-Dritten TV Neerstedt seinen Wechsel nach Delmenhorst bekannt gegeben hatte. Vorne wie hinten wird Lennart Witt vom TV Cloppenburg wichtig. Im rechten Rückraum und auf Rechtsaußen sucht man noch nach der viel zitierten Tiefe im Kader. „Sollte sich noch eine Gelegenheit ergeben, werden wir hier nochmals nachlegen“, kündigt Janßen an.
Die Neuzugänge haben das Privileg, die erste kraftraubende Phase der Vorbereitung ausgelassen zu haben. Trainer Jörg Rademacher hatte die Spieler bereits durch die Halle gescheucht, momentan befinden sich alle in einer dreiwöchigen Pause. Schon in der vergangenen Saison bestachen die Delmenhorster durch ihre Physis, was in der kommenden Spielzeit mehr denn je gefordert sein wird. Ligadominator OHV Aurich ist nach einem Jahr zwar direkt wieder in die 3. Liga aufgestiegen – ungeschlagen natürlich –, dafür kommt mit der SG VTB/Altjührden ein Absteiger dazu, der sich nicht allzu lange in der Oberliga aufhalten möchte.

Erstes Auswärtsspiel beim Topfavoriten
Wie groß die Ambitionen von Vizemeister ATSV Habenhausen sind, kann man sich vorstellen: Der deutsche Amateurpokalsieger wird als erster Bremer Verein seit Jahren wieder ein Pflichtspiel in der Bremer ÖVB-Arena austragen und am 17. August im Rahmen des Erstrundenturniers im DHB-Pokal Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf empfangen. Janßen spricht da zurecht von „einer herausfordernden Oberliga. Alle Mitbewerber haben sich gut verstärkt.“ Die HSG startet am Samstag, 7. September, ab Uhr gegen den TuS Rotenburg in die Saison und reist danach zu Rademachers Ex-Club nach Varel, dem „Topfavoriten“, wie Janßen glaubt.

Bildunterschrift: Marko Babic (am Ball) spielt für die U19-Auswahl der USA und künftig für die HSG Delmenhorst. Foto: Kosovo Handball Federation
Quelle: dk-online (Daniel Niebuhr)
 
 
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