Varel. Die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst haben in der Partie bei der SG VTB/Altjührden zu viele Torchancen vergeben. Daher mussten sie sich dem Drittliga-Absteiger geschlagen geben.
Jörg Rademacher verschwand nach demAbpfiff schnurstracks in die Kabine. Nach der 23:26 (10:11)-Pleite seiner HSG Delmenhorst beim Titelanwärter der Handball-Oberliga, der SG VTB/Altjührden, benötigte er einige Minute für sich. Offensichtlich war er angesäuert, wobei es gar nicht so sehr die Niederlage an sich war, die ihn störte. Schließlich war seine Sieben beim Drittliga-Absteiger ohnehin als Außenseiter angetreten. Er haderte viel mehr mit dem Zustandekommen. „Wir haben uns selbst geschlagen. Uns sind zu viele Fehler unterlaufen. Am Ende war Varel die abgezocktere Mannschaft“, meinte Rademacher.


Gerade zu Beginn des zweiten Abschnittes standen sich die Delmenhorster selbst im Weg. So blieben sie fast zehn Minuten ohne eigenen Treffer. Die Gastgeber bauten in dieser Phase ihren Vorsprung auf fünf Tore aus und brachten diesen letztlich ins Ziel. „In der zweiten Halbzeit wachen wir zu spät auf und lassen dann auch noch zu viele Chancen aus“, trauerte Rademacher den vergebenen Möglichkeiten etwas hinterher. Der Coach gewann der Partie allerdings auch etwas Positives ab: „Wir konnten sehen, dass wir nicht weit weg sind.“

HSG-Rückraum überzeugt


Gerade zu Beginn sahen die rund 600 Zuschauer in der Halle eine offene Begegnung. Tatsächlich erwischten die Gäste sogar den etwas besseren Start. Die 6:0-Deckung stand ordentlich, außerdem zeichnete sich Torhüter Sönke Schröder mit einigen Paraden aus. Auf der anderen Seite hatten die Hausherren derweil arge Probleme mit den Rückraumschützen der HSG. „Wir haben keinen Zugriff bekommen“, sagte SG-Coach Christian Schmalz. Nach zehn Minuten führten die Gäste aus der Delmestadt mit 6:4. Sonderlich lange hatte die Führung jedoch nicht Bestand. Der Drittliga-Absteiger hatte die Partie nach 15 Minuten gedreht – 7:6.


Nur wenige Sekunden nach dem Führungstreffer für die SG schaltete sich erstmals das Publikum ein und quittierte die Zeitstrafe gegen den ehemaligen HSG-Kreisläufer Michael Schröder mit einem gellenden Pfeifkonzert. Pfiffe von den Zuschauerrängen hörte man im Laufe des Spiels noch öfter, was zu einem Großteil an dem schwachen Schiedsrichtergespann lag. Es brachte schon in Durchgang eins mit seinen Entscheidungen unnötige Hektik in die Partie – zwei der drei Zeitstrafen gegen Varel waren mehr als zweifelhaft. Immerhin pfiffen sie aber auf beiden Seiten unglücklich. Kurz vor dem Ende der Begegnung übersahen sie etwa ein Foul an Tim Coors.

Bis zum Ende der Halbzeit wechselten sich auf beiden Seiten gute und weniger gute Phasen ab. So eroberten sich die Delmenhorster die Führung zurück, verdaddelten sie in der Schlussphase jedoch. Im Angriff schenkten sie zweimal in Folge den Ball her, was die Gastgeber bestraften – 10:11 der Pausenstand. „Wir haben gut angefangen, aber wir lassen da eben schon zwei, drei Bälle liegen“, analysierte Rademacher. Und was sich zum Ende des ersten Durchgangs schon angedeutet hatte, entwickelte sich in Hälfte zwei zu einem echten Problem für die HSG: Die Rückraumschützen blieben immer öfter hängen, über die Außen ging ohnehin kaum etwas. Besonders auffällig über die ganze Partie betrachtet, war, dass die Delmenhorster keinen einzigen Tempogegenstoß notierten. Gleichzeitig baute auch die Deckung merklich ab. So führte die SG nach 43 Minuten mit 18:13. „Uns hat in der zweiten Halbzeit die Aggressivität gefehlt“, meinte HSG-Rückraumspieler Coors. Wie er sich den Leistungsabfall erklärte? Nun, an der körperlichen Verfassung habe es keinesfalls gelegen. Coors: „Es war eher ein Problem im Kopf. Kleinigkeiten, die eben entscheidend sind.“

Immerhin wachten die Delmenhorster in der Schlussviertelstunde nochmals auf und kamen in Minute 51 sogar auf zwei Tore heran. Zum Ausgleich oder zu mehr reichte es jedoch nicht mehr. Denn erneut unterliefen den Gästen einige Fehler. „Wir sind noch nicht soweit, um so einen Gegner zu schlagen. Man sollte nicht vergessen, dass wir erst in unserem zweiten Oberligajahr sind und noch in einem Entwicklungsprozess stecken“, sagte Rademacher und schickte hinterher: „Wir hätten Punkte mitnehmen können, haben am Ende aber Lehrgeld bezahlt.“

Quielle: dk-online.de (Nico Nadig)

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