Delmenhorst. Der Handball-Oberligist HSG Delmenhorst hat sein Heimspiel gegen den TV Cloppenburg verloren. Danach läutete Trainer Jörg Rademacher den Abstiegskampf ein.

Das war eine mehr als deutliche Angelegenheit: Mit 28:34 (11:18) haben die Handballer der HSG Delmenhorst ihr Heimspiel gegen den TV Cloppenburg verloren. Während die Gäste dank ihres sechsten Erfolges in der sechsten Partie nun von der Tabellenspitze der Oberliga grüßen, rutschten die Delmenhorster auf den achten Rang ab. „Wir hatten im Prinzip zwei gesunde Spieler, aber ich will keine Ausreden suchen. Ich gratuliere den Cloppenburgern, sie haben absolut verdient gewonnen“, erkannte HSG-Coach Jörg Rademacher nach Abpfiff an.


Kein Vorwurf ans Team
Eine ausführlichere Spielanalyse schenkte sich der Trainer, was er aber noch sagte, ließ aufhorchen: „Wir spielen gegen den Abstieg und nicht oben mit.“ Der Kader der Delmenhorster ist in dieser Saison schlichtweg zu dünn besetzt, viele eigentlich angeschlagene Akteure stellen sich daher immer wieder in den Dienst der Mannschaft. „Ich kann dem Team absolut keinen Vorwurf machen. Tim Coors konnte in der Pause kaum noch vor Schmerzen. Marcian Markowski hätte eigentlich gar nicht spielen dürfen“, sagte Rademacher nüchtern und schickte hinterher: „Es wird nicht rosiger.“ Ob es Gedankenspiele in Richtung Neuzugänge im Winter gibt? Die Frage konnte er nicht beantworten. Denn tatsächlich wisse er es einfach nicht. Geld habe die HSG bekanntlich nicht. Rademacher: „Ich habe keine Ahnung. Der Verein muss wissen, was er will. Die Leute müssen das hinterfragen.“


Hartes Urteil vom Trainer
Es ist mehr als offensichtlich: Der Coach hadert derzeit mit den Gesamtumständen. So beklagte er unter anderem auch die Trainingsmöglichkeiten. Er könne mit seinem Team bei den Einheiten nicht mal richtige Tempogegenstöße einstudieren, da Stützen des Hallendachs im Weg stünden. „Die Handball-Oberliga ist immer leistungsbezogener geworden und hier hinkt man noch hinterher. Leistungshandball ist so in Delmenhorst nicht möglich“, fällte der Übungsleiter ein hartes Urteil in Betracht der hiesigen Rahmenbedingungen.


Probleme mit Kreisläufer Ole Harms
Zum Spiel selbst: In der vollbesetzten Delmenhorster Stadionhalle bestimmten die Gäste aus Cloppenburg von Beginn an das Geschehen auf der Platte. Bereits nach zehn Minuten leuchtete eine 7:2-Führung für den TVC von der Anzeigetafel. Schon in der Anfangsphase bereitete vor allem Kreisläufer Ole Harms der Delmenhorster Deckung arge Schwierigkeiten. Vier der ersten sieben Tore hatte er erzielt, am Ende notierte er insgesamt 13 Treffer. Tatsächlich hätten die Gäste zu diesem Zeitpunkt bereits höher führen können, doch HSG-Torhüter Bassam Farasha bewahrte die Hausherren mit einigen starken Paraden vor einem höheren Rückstand.


HSG-Offensive fehlt die Power
Allerdings schwamm die Rademacher-Sieben nicht nur in der Defensive, sondern auch im Angriff. Ihr fehlte schlichtweg der Fluss und die Power. Immer wieder gerieten die Delmenhorster Offensivbemühungen aufgrund von einfachen Abspielfehlern ins Stocken. Letztendlich brauchte es eine frühe Auszeit, damit die HSG in das Spielgeschehen fand. Fortan griffen die Delmenhorster mit sieben Feldspielern an. Eine Maßnahme, die schnell erste Früchte trug: Nach 16 Minuten hatte die HSG den Rückstand auf drei Treffer verkürzt – 7:10. TVC-Trainer Barna-Zsolt Akacsos reagierte prompt mit einer Auszeit und fand in dieser offenbar die richtigen Worte. Denn in der Folge war sein Team wesentlich besser auf den siebten Angreifer bei der HSG eingestellt. Durch schnelle Angriffe und Treffer ins leere Tor – einer davon gelang gar Torwart Hendrik Legler – bauten die Gastgeber ihren Vorsprung bis zur Pause kontinuierlich aus. Letztendlich war mit dem Pausenstand von 11:18 bereits eine Vorentscheidung zugunsten der Cloppenburger gefallen.


Debut von Soheil Ramin
Was man der HSG Delmenhorst allerdings hoch anrechnen muss: Trotz der personellen Lage, trotz des hohen Pausenrückstands ergab sie sich zu keinem Zeitpunkt ihrem Schicksal. Mit ihren an diesem Tag begrenzten Mitteln hielten die Delmenhorster jedenfalls dagegen und verhinderten so eine höhere Pleite – der TVC hatte in Durchgang zwei aber sicherlich auch zwei Gänge heruntergeschaltet. In der Schlussphase gab noch der A-Jugendliche Soheil Ramin sein Debüt für die Oberliga-Herren der HSG. Er trug sich sogar mit einem Tor von der Siebenmeter-Linie aus in die Statistik ein. „Wir hätten heute fünf Stunden spielen können und hätten nicht gewonnen", sagte Rademacher.

So verdient der Sieg der Cloppenburger am Ende war, so unnötig war allerdings auch die Aktion ihres Trainers zehn Sekunden vor Schluss: Er nahm eine Auszeit, um schon mal mit seinem Team zu feiern. Dafür erntete er fragende Blicke von der HSG-Bank und ein Pfeifkonzert des Publikums.

Quelle: dk-online.de (Nico Nadig )

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